Calw im Schwarzwald. Blick vom Panoramaweg oberhalb des Stadtgartens auf die Innenstadt. Links der Bildmitte die neugotische Stadtkirche, rechts der Bahnhof/ZOB mit dem Bahnhofsturm, der zu den übereinander liegenden Bahnsteigen für die Strecke Pforzheim-Horb und Weil der Stadt-Calw (oben) führt. Rechts außerhalb des Bildes wäre das etwa 1 km entfernte, alte Bahnhofsgebäude zu sehen, dass 1989 durch den neuen Haltepunkt am ZOB ersetzt wurde.
Am Vorabend des Februar-Vollmonds aufgenommen (Canon EOS 70D mit EF 100-400 f/4.5-5.6 L IS USM bei 400 mm, manuell belichtet mit f/8 und 1/400s), entwickelt unter Linux mit Another RawTherapee
Statistisch gesehen gibt es in jeder Baptist*innen-Gemeinde mit 77 Mitgliedern und Freund*innen mindestens eine trans* Person.
Wie komme ich auf diese Zahl?
Trans* ist angeboren. So wie die Haarfarbe, die Hautfarbe oder die Händigkeit (rechts-, links- oder beidhändig). Es wird außerdem nicht vererbt, die Verteilung in der Gesellschaft ist also zufällig. Die Wahrscheinlichkeit, dass in einer baptistischen Familie ein trans* Kind geboren wird, ist ebenso hoch wie in der übrigen Gesellschaft: Von 1.000 geborenen Kindern sind etwa 13 trans*, auch in baptistischen Familien.
Denn nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit (dgti) sind 1,3 % aller Deutschen trans* (nicht mitgerechnet inter*, nichtbinäre und agender Personen), wobei der Anteil trans* Männer zu trans* Frauen bei 1,2:1 liegt. Insgesamt bezeichnen sich lt. OECD 3 % der Deutschen als „nicht cis“, ihre Geschlechtsidentität stimmt also nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht überein.
Zu den Baptist*innen-Gemeinden im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden gehören rund 63.000 Mitglieder, dazu kommen nichtgetaufte Kinder, Angehörige und Freund*innen, die am Gemeindeleben teilnehmen, gehen wir also vorsichtig von 125.000 Menschen aus. Das bedeutet, dass statistisch betrachtet mindestens 1.625 Menschen in Baptist*innen-Gemeinden trans* sind.
Es gibt uns.
Aber nur die wenigsten von uns sind geoutet, geben sich also zu erkennen. Auch ich habe mich erst mit 50 Jahren geoutet. Aber natürlich war ich auch vorher schon trans – ich wollte es nur nicht wahrhaben. Ich hielt es schließlich für etwas, das nicht sein darf, ein schwerwiegender Fehler, eine psychische Störung, ja sogar eine Sünde, gegen die ich anzukämpfen hätte als guter Christ.
Viele Menschen in Baptist*innen-Gemeinden, die trans* sind, unterdrücken oder verheimlichen ihre Trans*geschlechtlichkeit, weil sie es nicht akzeptieren wollen, und viele andere verlassen die Gemeinde, um gemäß ihrer Identität leben zu können. Nicht wenige geben dabei auch ihren Glauben auf, wenn sie keine Gemeinde finden, in der sie willkommen sind.
1.625 Menschen. Wie gehen wir als Baptist*innen damit um?
Ich bin eine evangelikale Christin. Links, progressiv, feministisch, queer, trans – aber eben auch evangelikal. Und damit von vornherein abgestempelt: rechts, konservativ, misogyn, queerfeindlich, islamfeindlich. Denn so sind Evangelikale doch, nicht wahr?
Und als freikirchliche Christin passe ich ohnehin besonders gut ins Bild, sind Evangelikale doch schließlich ein Freikirchen-Phänomen, nicht wahr?
Ich gebe im Folgenden die Resolution des Bundesrates des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (Baptisten und Brüdergemeinden) vom 15. Mai 2026 wieder:
Wir wissen um die Krisen dieser Welt wie den Klimawandel, das Artensterben, die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen, die Kriege, die ungerechte Verteilung der Güter, den Rassismus, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wir müssen uns diesen Krisen und dem eigenen Anteil daran stellen.
Wir wissen, dass sich weltweit eine destruktive Machtpolitik durchsetzt, die auf Gewalt – insbesondere gegen Frauen – und Vernichtung baut. Ressourcen, die zwingend für den Schutz der Lebensgrundlagen eingesetzt werden müssten, fließen in Rüstungsgüter. Das Völkerrecht wird angegriffen und ist in Gefahr. Das betrifft sowohl die Menschenrechte als auch das Prinzip von Rechtsstaatlichkeit und die internationale Ordnung im Grundsatz.
Im Wissen um die Häufung dieser Rechtsbrüche und Gefahren in jüngster Zeit bekennen wir uns als Kirche zu den unveräußerlichen Menschenrechten, dem Recht kommender Generationen auf den Erhalt der Lebensgrundlagen und dem Recht unserer Umwelt auf Schutz und Bewahrung. Als Christinnen und Christen sehen wir uns in der Verantwortung, uns aus ganzem Herzen und mit aller Kraft (1) für das Globalwohl und die Menschenrechte zu engagieren. Wir bekennen unseren Glauben an Gott, dessen Geist die Liebe ist. Jedes Leben ist von Gott gegeben und gleich kostbar. Wir glauben an Jesus Christus, der auf der Seite der Entrechteten steht und folgen seinem Aufruf zu Gewaltlosigkeit und Nächstenliebe.