Am Vorabend des Februar-Vollmonds aufgenommen (Canon EOS 70D mit EF 100-400 f/4.5-5.6 L IS USM bei 400 mm, manuell belichtet mit f/8 und 1/400s), entwickelt unter Linux mit Another RawTherapee
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„Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“
So kennen wir den Bericht von der Erschaffung des Menschen aus dem ersten Kapitel des ersten Buches der Bibel (Genesis 1,27). Wie können wir diesen Vers verstehen?
Manche cis Menschen lehnen den Begriff „cis“ ab und meinen, es handele sich dabei um eine Beleidigung.
„Cis“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „auf dieser Seite“; es ist das Gegenteil von „trans“, das ebenfalls aus dem Lateinischen stammt und „auf der anderen Seite“ bedeutet.
Cis sind alle Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt, während trans alle Menschen umfasst, bei denen dies nicht der Fall ist. Es ist also eine präzise Beschreibung, mehr nicht.
Statistisch gesehen gibt es in jeder Baptist*innen-Gemeinde mit 77 Mitgliedern und Freund*innen mindestens eine trans* Person.
Wie komme ich auf diese Zahl?
Trans* ist angeboren. So wie die Haarfarbe, die Hautfarbe oder die Händigkeit (rechts-, links- oder beidhändig). Es wird außerdem nicht vererbt, die Verteilung in der Gesellschaft ist also zufällig. Die Wahrscheinlichkeit, dass in einer baptistischen Familie ein trans* Kind geboren wird, ist ebenso hoch wie in der übrigen Gesellschaft: Von 1.000 geborenen Kindern sind etwa 13 trans*, auch in baptistischen Familien.
Denn nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit (dgti) sind 1,3 % aller Deutschen trans* (nicht mitgerechnet inter*, nichtbinäre und agender Personen), wobei der Anteil trans* Männer zu trans* Frauen bei 1,2:1 liegt. Insgesamt bezeichnen sich lt. OECD 3 % der Deutschen als „nicht cis“, ihre Geschlechtsidentität stimmt also nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht überein.
Zu den Baptist*innen-Gemeinden im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden gehören rund 63.000 Mitglieder, dazu kommen nichtgetaufte Kinder, Angehörige und Freund*innen, die am Gemeindeleben teilnehmen, gehen wir also vorsichtig von 125.000 Menschen aus. Das bedeutet, dass statistisch betrachtet mindestens 1.625 Menschen in Baptist*innen-Gemeinden trans* sind.
Es gibt uns.
Aber nur die wenigsten von uns sind geoutet, geben sich also zu erkennen. Auch ich habe mich erst mit 50 Jahren geoutet. Aber natürlich war ich auch vorher schon trans – ich wollte es nur nicht wahrhaben. Ich hielt es schließlich für etwas, das nicht sein darf, ein schwerwiegender Fehler, eine psychische Störung, ja sogar eine Sünde, gegen die ich anzukämpfen hätte als guter Christ.
Viele Menschen in Baptist*innen-Gemeinden, die trans* sind, unterdrücken oder verheimlichen ihre Trans*geschlechtlichkeit, weil sie es nicht akzeptieren wollen, und viele andere verlassen die Gemeinde, um gemäß ihrer Identität leben zu können. Nicht wenige geben dabei auch ihren Glauben auf, wenn sie keine Gemeinde finden, in der sie willkommen sind.
1.625 Menschen. Wie gehen wir als Baptist*innen damit um?