Ich habe OS/2 seit Version 2.0 und alle Versionen bis einschließlich Warp 4 sowie später eComStation und schließlich auch ArcaOS 5.0 verwendet.
Meine ArcaOS-Subskription habe ich dann allerdings 2022 auslaufen lassen, vor der Veröffentlichung von ArcaOS 5.1. So konnte ich ArcaOS 5.0 zwar noch nutzen, bekam aber keine Updates mehr.
Eigentlich hatte ich nicht mehr vor, ArcaOS noch einmal zu kaufen bzw. ArcaOS Support & Maintenance wieder zu abonnieren. Ich bin vor ein paar Tagen aber dann doch schwach geworden und habe mir ArcaOS 5.1 gekauft, die neueste Version der OEM-Version von IBMs OS/2 (einschließlich Updates für sechs Monate, danach muss ich überlegen, ob ich weitermachen will).
Aktuell ist Version 5.1.2, von Arca Noae veröffentlicht im März 2026, also eine recht aktuelle Ausgabe. Seit Version 5.1.1 ist ArcaOS nicht nur in Englisch, sondern neben anderen Sprachen auch in Deutsch verfügbar – erstmals seit der eComStation gibt es also wieder ein OS/2 in deutscher Sprache (wobei nicht alle Teile übersetzt worden sind).
Ich habe ArcaOS nicht auf echter Hardware, sondern in VirtualBox 7.2 unter Kubuntu Linux installiert.
Dank Unterstützung für UEFI, GPT und NVMe wäre aber auch die Installation auf vielen aktuellen PCs und parallel zu Linux oder Windows möglich. Ob aber WLAN, Soundkarte, Grafikkarte usw. unterstützt werden, ist nicht sicher. Auch ist dabei nicht immer sicher, ob ArcaOS dann 4 GB RAM bekommt (mehr sind ohnehin aufgrund der 32-Bit-Beschränkung von OS/2 nicht möglich, wobei zusätzlicher RAM eventuell für eine RAM-Disk verwendet werden kann).
Für die meisten Heimanwender*innen ist die Installation in VirtualBox wohl die beste Wahl. Und während VirtualBox OS/2 etwas stiefmütterlich behandelt, bietet ArcaOS die besten Voraussetzungen für die Verwendung in VirtualBox.
ArcaOS 5.1.2 bringt bereits die Gasterweiterungen für VirtualBox mit, sodass etwa gemeinsame Ordner und die gemeinsame Zwischenablage zur Verfügung stehen. Dazu muss bei der Installation lediglich darauf geachtet werden, dass die Unterstützung für VirtualBox aktiviert wird. Es wird davon abgeraten, die Gasterweiterungen selbst zu installieren. Ich habe VirtualBox unter Kubuntu mittels vboxmanage setextradata "ArcaOS 5.1" "CustomVideoMode1" "1890x950x32" eine neue Bildschirmgröße für den ArcaOS-Gast mitgeteilt, die ich dann in der Systemkonfiguration von ArcaOS einstellen konnte, um den Gast möglichst groß auf meinem Bildschirm zu haben. Die unter VirtualBox für den Gast eingerichteten gemeinsamen Ordner tauchten ohne weiteres Zutun im Laufwerksobjekt der ArcaOS auf. Auch die gemeinsame Zwischenablage funktioniert einwandfrei.
ArcaMapper, der Samba-Client, wurde auf den neuesten für OS/2 verfügbaren Stand gebracht und hat keine Probleme, meine unter Kubuntu erstellten Samba-Freigaben einzubinden.
Wie schon bei den Vorversionen ist eine von Arca Noae angepasste Version von XWorkplace (ANXWP) installiert, einer mächtigen Erweiterung der Workplace Shell, also der grafischen Oberfläche.
Ansonsten gibt es einige weitere Tools, etwa für Screenshots (Gotcha), einen Dokumentenbetrachter (Lucide), einen Bildsachirmschoner usw.
Nach der Installation und der ersten Einrichtung habe ich aus dem Arca Noae Packet Manager (ANPM) Dooble installiert, den „neuen“ von Linux portierten Webbrowser, der Firefox bzw. SeaMonkey ersetzen soll. Ich habe neu bewusst in Anführungszeichen gesetzt, weil der Dooble, den Arca Noae zur Installation anbietet, von Oktober 2022 ist (während die Dooble-Homepage als neueste Version 2026.08.20 angibt). Der „neue“ Dooble scheitert an zahlreichen Stellen im WWW. Hatte ich gehofft, damit die Webseiten von Mailbox.org, Murena.io oder meiner Nextcloud öffnen zu können, so wurde ich leider enttäuscht. Mailbox.org und Murena.io haben mir zwar erlaubt, mich anzumelden, dann wurde mir aber jeweils eine weiße Seite präsentiert. Bei der Nextcloud bekam ich nicht einmal den Anmeldebereich zu Gesicht, nur den Hintergrund. Der „neue“ Dooble kann zwar eine Reihe von Webseiten korrekt anzeigen, aber bei zu vielen Seiten scheitert er. Immerhin konnte ich so feststellen, dass er auch das Gopher-Protokoll beherrscht – allerdings nicht alle Features moderner Server. In dieser Hinsicht ist die aktuelle Ausgabe allerdings nicht besser, wie ich unter Kubuntu feststellen konnte.
Im Anschluss habe ich noch aus meinem Software-Archiv den Bildbetrachter PMView Pro, das Office-Paket Apache OpenOffice 4.1, den Datei-Manager EF Commander, PM123 (MP3-Player) und schließlich den Gopher-Client aus OS/2 Warp 4 installiert (da dieser in ArcaOS 5.1 wie schon in der Vorversion fehlt). Wie zu erwarten war, funktionieren alle Programme problemlos auch unter ArcaOS 5.1.
Aber ein brauchbarer Webbrowser fehlt doch sehr. Egal ob der alte Firefox 45.9.0 oder der „neue“ Dooble (oder auch Arora, ein weiterer Webbrowser, der auch für OS/2 verfügbar ist), sie erlauben das Browsen im WWW nur sehr eingeschränkt. Viele Webseiten bleiben unerreichbar oder funktionieren nicht wie erwartet.
Der mitgelieferte Thunderbird 45.8.0 ist sehr alt, ließ sich aber noch problemlos via IMAP/SMTP und StartTLS mit meinem Mail-Server (Mailbox.org) verbinden. Auch mein S/MIME-Zertifikat konnte ich einbinden.
Wer noch im Gopherspace unterwegs ist, sollte den Lynx-Browser installieren (leider nicht im ANPM verfügbar, es bleibt nur die manuelle Installation). Nur er unterstützt alle Features moderner Gopher-Server. Lynx ist von 2016 und nicht wirklich fit für das WWW, aber perfekt für Gopher – wenn eins damit zufrieden ist, dass es im Textmodus läuft und nicht als grafische Anwendung.
Ich suche nicht nach einem Ersatz für mein Kubuntu – ArcaOS 5.1 wäre dieser Aufgabe mangels aktuellem Webbrowser auch nicht gewachsen. Aber es ist nett, damit zu spielen. Für mich ist OS/2 nach wie vor das beste Betriebssystem, das es je gab. Kubuntu funktioniert gut, aber ich habe nie eine Beziehung zu ihm (oder zu Linux im Allgemeinen) aufgebaut.
ArcaOS fühlt sich für mich als OS/2-Liebhaberin sehr gut an.
Disclaimer: Dieser Blog-Post ist keine Werbung. Ich erhalte für diesen Artikel keinerlei Gegenleistung von Arca Noae. Es handelt sich lediglich um einen Erfahrungsbericht.
Nachtrag
Wie ich gerade gelernt habe, gibt es eine deutlich aktuellere Version von Dooble, die Dave Yeo bereitstellt: github.com/dryeo/dooble (aktuell Version 2026.08.21).
Wer bereits Dooble per ANPM installiert hat, kann mit Dave Yeos Version für Qt5 sofort loslegen.