Heute, am 31. März, ist der alljährliche Internationale Tag zur Sichtbarkeit von trans Menschen (International Transgender Day of Visibility, TDoV), ein Tag, der allen trans Personen, binär oder nicht binär, gewidmet ist.

An diesem Tag wollen wir einerseits auf Diskriminierung aufmerksam machen und für unsere Rechte demonstrieren, andererseits unsere Identitäten sichtbar machen und sie feiern.

Wir stellen unsere Perspektiven, unsere Erfahrungen, unsere Forderungen in den Mittelpunkt. 

In diesem Jahr sind wir als trans Menschen so sichtbar wie nie zuvor – und zugleich so bedroht wie nie zuvor.

Diskriminierung und Gewalt gegen uns nehmen zu, bereits errungene Rechte werden infrage gestellt, eingeschränkt oder abgeschafft. In den USA, in Großbritannien, in Portugal, in vielen Ländern – auch in Deutschland erleben wir eine Zunahme an Transfeindlichkeit.

Laut den jüngst veröffentlichten Ergebnissen einer Langzeitstudie (SOEP) erleben 31,8 % der befragten trans, nichtbinären und intergeschlechtlichen Personen Diskriminierung – das ist einer der höchsten Werte für Teilgruppen der Gesellschaft. 

Hauptsächlich kommen die Angriffe auf uns und auf unsere Rechte von Rechts, von Konservativen, von radikalen Religiösen (auch von radikalen Christ*innen quer durch alle Konfessionen). 

Sie bringen Mythen und Lügen in Umlauf, die leider von vielen Menschen geglaubt werden. 

Wir glauben, dass Sichtbarkeit uns helfen kann, Intoleranz und Diskriminierung zu überwinden. Je mehr die Menschen Kontakt zu trans Personen haben, desto größer ist die Chance, dass sie ihre Vorurteile als solche erkennen und dann auch für unsere Rechte eintreten. 

Wir wissen: Wer die Menschenrechte von trans Personen einschränkt, hört mit dieser Gruppe nicht auf. Die nächste Gruppe, deren Menschenrechte dann eingeschränkt werden, sind Frauen. In rechten und konservativen Kreisen, religiös oder nicht, ist der Kampf gegen Frauenrechte, gegen die weibliche Selbstbestimmung, längst auf dem Vormarsch (von denselben Akteuren wird zugleich der Kampf gegen die Rechte von trans Personen mit dem angeblichen Schutz von Frauen und deren Sicherheit begründet). 

Als trans Frau weiß ich: Trans zu sein ist genauso normal wie Linkshändigkeit oder rote Haare. Es ist eine zwar recht seltene, aber normale und natürliche Variante der Geschlechtsentwicklung. 

Als links-evangelikale und freikirchliche Christin weiß ich: Transsein, egal ob binär oder nichtbinär, gehört zur Schöpfung. Es ist Teil der Vielfalt, die Gott in der Schöpfung angelegt hat. Gott schuf die Menschen so, dass wir sowohl cis als auch trans, sowohl binär als auch nicht binär sein können. Der berühmte Vers in Genesis von der Erschaffung des Menschen lässt sich am besten so übersetzen: „Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, er schuf sie von männlich bis weiblich“. Gott schuf die Menschen nicht binär, sondern vielfältig. 

Es ist meine Überzeugung als gläubige Christin, dass sich unsere Gottesebenbildlichkeit gemäß Genesis 1,26ff nicht in einem binären, cis-normierten Geschlecht ausdrücken kann, das dann auch noch von der Beschaffenheit unserer Fortpflanzungsorgane bestimmt wird. Ich glaube, dass unsere geschlechtliche Existenz, unser „Gender“, eine individuelle Gabe Gottes ist, etwas, das uns wohl von der übrigen Schöpfung unterscheidet, die diese Geschlechtlichkeit nicht kennt. 

Lebte Paulus heute, würde er vermutlich schreiben: „Da ist nicht Mann oder Frau, nicht cis oder trans, nicht binär oder nichtbinär – ihr seid allesamt einer in Christus Jesus“.

Ich wünsche mir, dass viele Christ*innen das erkennen – dass wir Geschwister sind, egal ob cis oder trans, binär oder nichtbinär. Dass wir trans Christ*innen ebenso zum Leib Jesu gehören wie cis Christ*innen. 

Leider werden trans Christ*innen immer noch in vielen Gemeinden diskriminiert. Einige nennen uns „krank“, andere bezeichnen unser Sein, unsere Identität als „Sünde“. Manche versteigen sich zur Behauptung, dass wir nicht den Geist Gottes in uns haben, sondern einen dämonischen Geist von unten, ja, dass wir im Dienste Satans stünden. Manche haben Angst, dass wir einen schlechten Einfluss auf die Kinder haben, einige gehen davon aus, dass Transsein „ansteckend“ sei. 

Das schlimmste Schicksal haben allerdings Kinder, die in einer transfeindlichen Gemeinde entdecken, dass sie als trans Kinder geboren worden sind. Um diese Kinder weine ich; denn ich weiß, dass sie dadurch unermesslichen Schaden davontragen.

Ich bin als trans Christin – freikirchlich und evangelikal – bewusst sichtbar, bin ansprechbar. Nicht nur heute, am Internationalen Tag zur Sichtbarkeit von trans Menschen.

Und ich feiere mein Transsein als eine Gabe Gottes. Weil es genau das ist: Gott hat mich so geschaffen, und da gilt Genesis 1,31 ohne jede Einschränkung: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.“

Wir trans Menschen dürfen feiern, dass Gott uns sehr gut gemacht hat. 

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